Mitglied werden

Hochbaukongress in Ettersburg: Praxisnahe Lösungen für schnelleres und effizienteres Bauen

Beim Hochbaukongress „Hochbau einfach möglich machen – Best Practice“ diskutierten über 100 Akteure aus Planung, Bau und Politik konkrete Ansätze für schnelleres und effizienteres Bauen in Thüringen. Im Fokus: weniger Bürokratie, digitale Verfahren und praxiserprobte Lösungen für mehr bezahlbaren Wohnraum.

 

Die Bauwirtschaft in Thüringen steht aktuell vor erheblichen Herausforderungen: steigende Baukosten, komplexe Genehmigungsverfahren, hoher Kosten- und Termindruck sowie wachsende Anforderungen an Qualität und Quantität. Gleichzeitig stagnieren Umsätze und Auftragseingänge in der Branche. Umso wichtiger ist es, konkrete und praktikable Lösungsansätze zu identifizieren und den Dialog zwischen allen Beteiligten im Hochbau zu intensivieren.

Vor diesem Hintergrund fand am 20. April auf Schloss Ettersburg bei Weimar der Kongress „Hochbau einfach möglich machen – Best Practice“ statt. Gemeinsam mit der Architektenkammer Thüringen und der Ingenieurkammer Thüringen haben der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen e. V. und der Verband baugewerblicher Unternehmer Thüringen e. V. mehr als 100 Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammengebracht.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die zentrale Frage, wie Planungs- und Bauprozesse in Thüringen schneller, effizienter und wirtschaftlicher gestaltet werden können. Wichtige Impulse lieferten unter anderem Thüringens Bauminister Steffen Schütz zum Baupaket der Landesregierung, Prof. Dr. Sven Müller-Grune zur föderalen Modernisierungsagenda sowie Landrat Johann Waschnewski zu innovativen Vergabemodellen.

Ein besonderes Format des Kongresses waren die Thementische, die im gesamten Schloss verteilt stattfanden und einen intensiven, praxisnahen Austausch ermöglichten. Diskutiert wurden unter anderem:

  • die Beschleunigung von Planungs- und Vergabeprozessen,
  • digitale Bauanträge,
  • neue Vergabemodelle,
  • Förderstrukturen und Investitionsanreize,
  • die Nutzung des sogenannten „Bauturbos“ am Beispiel der Stadt Erfurt,
  • der Gebäudetyp E in der praktischen Anwendung,
  • die stärkere Integration von Planen und Bauen sowie
  • die Investitionsfähigkeit der Kommunen, unter anderem am Beispiel der Stadt Gera.

Der Kongress hat deutlich gezeigt, dass bereits heute zahlreiche praxiserprobte und erfolgreiche Ansätze existieren, um bestehende Hemmnisse im Hochbauprozess zu überwinden. Diese gilt es nun konsequent umzusetzen.

Aus Sicht des Bauindustrieverbandes Hessen-Thüringen e. V. ist insbesondere der Abbau bürokratischer Hürden ein zentraler Hebel. „Es gibt noch viele Stellschrauben“, betonte Dr. Burkhard Siebert vom Verband. Als Beispiele nannte er unter anderem die Reduzierung von Datenschutzvorgaben oder die Vereinfachung von Gutachtenanforderungen beim Ersatz bestehender Bauwerke.

Auch seitens der Landespolitik wurden konkrete Maßnahmen in Aussicht gestellt: So verwies Minister Steffen Schütz auf das Baupaket der Landesregierung, mit dem unter anderem die Einführung digitaler Bauanträge bis Ende des Jahres ermöglicht werden soll.

Der Hochbaukongress in Ettersburg hat damit wichtige Impulse gesetzt und gezeigt: Der Wille zur Veränderung ist bei allen Beteiligten vorhanden. Entscheidend wird nun sein, die identifizierten Ansätze zügig in die Praxis zu überführen, um Planen und Bauen in Thüringen nachhaltig zu beschleunigen und wirtschaftlich tragfähig zu gestalten.