Wiesbaden, 31. August 2026. Der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen fordert, das Genehmigungsverfahren für den Ersatzneubau der Bergshäuser Brücke zügig zum Abschluss zu bringen. Nach Medienberichten verzögern Änderungen an der Planung und die notwendige Überarbeitung der Lärmberechnungen das Verfahren weiter. Eine erneute öffentliche Beteiligung gilt als wahrscheinlich.
„Dass sich die Genehmigung immer weiter in die Länge zieht, ist angesichts des Zustands und der Bedeutung der Bergshäuser Brücke nicht hinnehmbar“, erklärt Dr. Burkhard Siebert, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Hessen-Thüringen. „Lärmschutz und die berechtigten Interessen der Anwohner müssen selbstverständlich berücksichtigt werden. Wenn aber selbst die DEGES davon ausgeht, dass die aktualisierte Verkehrsprognose keine vollständige Neuplanung des Lärmschutzes erforderlich macht, darf die erneute Berechnung nicht zu einer weiteren jahrelangen Verzögerung führen.“
Die Bergshäuser Brücke führt die A44 südlich von Kassel über die Fulda. Ihre rechnerische Restnutzungsdauer endete bereits 2028. Der Ersatzneubau ist Teil des geplanten sechsstreifigen Ausbaus der A44 zwischen dem Autobahnkreuz Kassel-West und dem Autobahndreieck Kassel-Süd. Das Planfeststellungsverfahren läuft seit 2023.
Die Dringlichkeit wird durch die aktuellen Verkehrsprognosen zusätzlich unterstrichen: Für das Jahr 2040 werden auf der neuen Fuldaquerung rund 83.300 Fahrzeuge pro Tag erwartet, darunter etwa 29.000 Lkw. Damit liegt die Prognose um 8.600 Fahrzeuge über der bisherigen Annahme für 2035. Das derzeitige Verkehrsaufkommen wurde auf Grundlage einer Untersuchung aus dem Jahr 2021 mit rund 45.000 Fahrzeugen täglich beziffert.
„Die A44 wird künftig deutlich stärker belastet sein. Deshalb muss die neue Brücke nicht nur rechtzeitig fertiggestellt, sondern auch für die langfristigen Verkehrsanforderungen ausgelegt werden“, so Siebert. „Prüfungen müssen gründlich sein – sie müssen aber frühzeitig, parallel und mit verbindlichen Fristen erfolgen. Wir können es uns nicht leisten, dringend notwendige Ersatzneubauten über Jahre hinweg in immer neuen Planungsschleifen festzuhalten.“
Der Handlungsdruck beschränkt sich nicht auf Nordhessen. Bundesweit müssen nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums langfristig rund 8.000 Brücken-Teilbauwerke an Autobahnen instand gesetzt oder modernisiert werden. Welche Folgen verspätetes Handeln haben kann, zeigen unter anderem die 2024 teilweise eingestürzte Carolabrücke in Dresden, die seit Ende 2021 gesperrte Talbrücke Rahmede an der A45 bei Lüdenscheid und die Rader Hochbrücke an der A7, deren Ersatzneubau aufgrund ihres Zustands und der hohen Verkehrsbelastung erforderlich wurde.
„Deutschland hat kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“, betont Siebert. „Die erforderlichen Baukapazitäten sind vorhanden. Nun braucht es schnelle Entscheidungen, verlässliche Verfahren und eine klare Priorisierung. Bei einer zentralen Verkehrsachse wie der A44 darf nicht erst gehandelt werden, wenn eine Sperrung unausweichlich ist.“
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