30.01.2020 Jahresauftaktveranstaltung der Hessisch-Thüringer Bauwirtschaft "Bauwirtschaft in Hessen und Thüringen fordert Investitionsprogramm"





Bei ihrer gemeinsamen Jahresauftaktveranstaltung haben der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen e.V., der Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V, der Verband beratender Ingenieure sowie der Bund Deutscher Baumeister Architekten und Ingenieure (BDB) Hessen Frankfurt e.V. am Donnerstag mehr als 200 Gäste in Frankfurt begrüßt.

Stefan Roth, Präsident des Bauindustrieverbandes Hessen-Thüringen e. V. und  Frank Dittmar, Präsident des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V. unterstrichen in ihrem Eingangsstatement die Rolle der Bauwirtschaft als Deutschlands Konjunkturlokomotive. In Zeiten der wirtschaftlichen Eintrübung brauche dieser Stützpfeiler aber weiterhin verlässliche Investitionszusagen seitens der Politik. Insbesondere die Themen Wohnungsbau und Infrastrukturausbau müssten weiter vorangetrieben werden. „Die Vernachlässigung der letzten Jahre holt uns jetzt ein - deshalb muss mit aller Kraft geplant, investiert und gebaut werden. Hierzu brauchen wir perspektivisch verlässliche Investitionshaushalte und einen personellen Aufbau der Planungskapazitäten. Hier sind auch unsere Auftraggeber gefordert. Nur dann können wir unsere Infrastruktur fit halten,“ machte Stefan Roth klar.

Frank Dittmar zeigte auf dem Podium die Probleme im Wohnungsbau deutlich auf: „Die Projekte, besonders im Mehrgeschossbau, werden aufgrund der immer umfangreicheren Vorschriften und der technologischen Komplexität der Gebäudehülle stetig anspruchsvoller. Hinzu kommen die bekannten Probleme wie fehlendes Bauland, Fachkräftemangel, Entsorgungsprobleme sowie ein enormer Preisdruck. Dass politischer Aktionismus wie Mietendeckel eher negative Auswirkungen haben, sehen wir derzeit in Berlin, wo die Baugenehmigungen innerhalb kurzer Zeit um 10% zurückgegangen sind.“

Aufgrund der wichtigen Bauaufgaben und Herausforderungen forderten die Präsidenten deshalb dazu auf, dass Auftraggeber und Auftragnehmer noch stärker an einem Strang ziehen müssen: „Die Erwartungshaltung der Politik an die Bauindustrie, aber auch an die öffentlichen Auftraggeber, ist groß. Diese Erwartungen der Politik können wir nur gemeinsam mit unseren Auftraggebern erfüllen oder gemeinsam enttäuschen. Weg von der Konfrontation hin zu einem partnerschaftlichen Arbeiten. Der Politik muss aber auch klar sein, die Aufgaben sind nicht allein über Geld zu lösen: Wir benötigen dringend einen umfassenden Kulturwandel auf der Baustelle,“ forderte Roth.

Staatssekretär Jens Deutschendorf erläuterte die Ziele und Schwerpunkte der hessischen Landesregierung für die kommenden Jahre: „In Hessen stehen in den nächsten Jahren Rekordsummen für Infrastrukturausbau zur Verfügung. Sowohl im Wohnungs-, Schienen- und Straßenbau. In Hessen soll aber nicht nur viel, sondern auch gut und nachhaltig gebaut werden. Dabei setzt die Landesregierung auf die enge Zusammenarbeit mit der Bauwirtschaft.“

Prof. Volker Wieland, Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung, machte in seinem Festvortrag deutlich, wie die bröckelnde Konjunktur die deutsche Bauwirtschaft beeinflusst: „Wir befinden uns inmitten einer globalen konjunkturellen Abkühlung, Deutschland ist in einer Industrierezession. Insbesondere die Exportindustrie, darunter Maschinenbau, Chemie und Fahrzeugbau sind von dem Rückgang des Welthandels stark betroffen. Trotzdem ist derzeit nicht von einer echten Rezession zu sprechen. Insbesondere der Dienstleistungssektor und der Bau laufen weiterhin sehr gut. Die Arbeitsproduktivität zwar hoch im internationalen Vergleich, aber von einer flachen Entwicklung geprägt. Der Wohnungsbau ist weiterhin stark. Zum Teil liegt dies an den extrem niedrigen Zinsen und dem starken Anstieg der Immobilienpreise in den Großstädten. Das Zinsniveau wird noch einige Zeit so bleiben. Die Mietpreisbremse ist Symptomtherapie und keine Lösung. Im Gegenteil sie macht den Wohnungsmangel noch schlimmer. Es muss dringend mehr Bauland, insbesondere in den Großstädten, verfügbar gemacht werden, um den Engpässen zu begegnen.“

Jochen Ludewig, Vorstand im Verband beratender Ingenieure Hessen, machte in seinem Schlusswort deutlich, dass die Akteure der Bauwirtschaft gemeinsam agieren müssen, um die Herausforderungen der Bauwirtschaft zu bewältigen: „Die gesamte Branche, Industrie, Mittelstand und Ingenieurbüros, stellen sich den Anforderungen und sind bereit, in Ausbildung, Kompetenz, Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Arbeitsschutz zu investieren. Diese Investitionen sind über Jahre erforderlich und können nur geleistet werden, wenn die politisch Verantwortlichen Beständigkeit und Verlässlichkeit sicherstellen. Unsere Branche hat sehr lange unter der Mangelwirtschaft gelitten und Fachkräfte und Berufsattraktivität verloren. Wenn wir dem Anspruch der Gesellschaft gerecht werden wollen, müssen wir in allen Bereichen benötigten Fachkräften und dem Nachwuchs überzeugende Zukunftsperspektiven bieten. Das geht nur gemeinsam.“