11 Thesen zu den Perspektiven des deutschen Bauarbeitsmarktes
Im September 2008 hat der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie elfThesen zu den Perspektiven des deutschen Bauarbeitsmarktes formuliert; eine Einschätzung der sich der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen voll und ganz anschließt:
These 1
Die Beschäftigung im deutschen Bauhauptgewerbe zog 2007 wieder an. 2008 verhindert der Arbeitskräftemangel einen weiteren Beschäftigungsaufbau.
These 2
Die Arbeitskräftereserven werden geringer. Es gibt bereits erste Firmen, die über die Behinderung der Bautätigkeit durch Arbeitskräftemangel klagen.
These 3
Ausländische Kapazitäten werden knapp. Die Baumärkte der mittel- und osteuropäischen Länder entwickelten sich dynamisch; die Auslandsbauunternehmen dieser Länder zog es nach Skandinavien, Irland, Großbritannien oder in den Benelux-Raum. Fazit: Die deutsche Bauwirtschaft muss nach zehn Jahren des Arbeitsplatzabbaus jetzt Beschäftigungssicherung betreiben. Die noch vorhandenen inländischen personellen Kapazitätsreserven sind in absehbarer Zeit erschöpft. Ausländische Kapazitäten stehen nur noch begrenzt zur Verfügung.
These 4
Bei einem Wachstum der Bauinvestitionen um 2% müsste die Beschäftigung im Bauhauptgewerbe 2008 um 1% auf 720.000 steigen, um den Bedarf zu decken. Das Bauhauptgewerbe wird den Beschäftigungsverlust der zehnjährigen Baukrise von etwa 700.000 Arbeitsplätzen aber nicht mehr ausgleichen können.
These 5
Für die deutsche Bauwirtschaft ist schon heute eine Bauingenieurlücke absehbar.
These 6
Der Wende auf den Bauarbeitsmarkt muss die Wende am Bauausbildungsmarkt folgen. Neben der Steigerung der Lehrlingszahlen geht es hier vor allem um die Hebung der Ausbildungsbereitschaft.
These 7
Die Qualität der Berufsbildung im deutschen Baugewerbe genießt europaweit einen guten Ruf. Die deutsche Bauindustrie muss mit Blick auf das bevorstehende Ringen um Nachwuchskräfte diesen Wettbewerbsvorteil weiter entwickeln.
These 8
Das deutsche Bildungssystem muss mehr für die Ausbildungsreife seiner Absolventen tun. Die Berufsförderungswerke der deutschen Bauwirtschaft sind bereit, ihren Beitrag im Rahmen einer Initiative zur Förderung der Ausbildungsreife zu leisten.
These 9
Die deutschen Bauingenieurfakultäten müssen mehr Studenten zum Studienabschluss führen. Die derzeit zu beobachtende Abbrecherquote von 50% muss drastisch gesenkt werden.
These 10
Die Ausbildung von Bauingenieuren macht in Deutschland durch die Ablösung des traditionellen Bauingenieurstudiums durch Bachelor- und Masterstudiengänge einen tiefgreifenden Wandel durch. Die deutsche Bauindustrie setzt sich deshalb für eine strenge Qualitätssicherung der neuen Studiengänge ein („Hochschul-Benchmarking“).
These 11
Die deutsche Bauwirtschaft steht in einem sich verschärfenden Wettbewerb um die „klügsten Köpfe“. Die Bauwirtschaft wird diesen Wettbewerb nur bestehen können, wenn es gelingt,
- das negative Branchenimage aus der Zeit der Baukrise zu beseitigen („Krisenbranche ohne Zukunft“)
- die technische Innovationskraft der Branche deutlicher zu machen („Lowtech-Image“) und
- die latente Technikfeindlichkeit in unserem Bildungswesen zu überwinden.

